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Wunderbare Begegnung

Vergangenheitsreisen haben es in sich, immer. Ganz gewaltig sogar. Dabei spielt es keine Rolle, ob man seiner neuen Liebe die eigene Heimat zeigen will, oder gemeinsam mit seinem langjährigen Partner gemeinsame Erinnerungen neu lebt, oder an den Ort der Kindheit und Jugend zurückkehrt. Sie sind anstrengend, körperlich auf jeden Fall, visuell nicht weniger, weil sich während der letzten Jahre so viel verändert hat. Nicht nur zum Vorteil, auch nachteilig. Die Landschaft ist einen andere als die, die wir so rund um Berlin herum zu sehen bekommen. Ich habe eine Menge Bilder gemacht und jeden Abend, wenn wir zurückkehren, dann werden sie angeschaut, belächelt, für gut oder schlecht befunden. Man nimmt so unglaublich viel in sich auf. Aber das ist nicht alles, was diese Reise so besonders macht und bislang gemacht hat.

Es sind Menschen von früher und heute, die Familiengeschichten, die ich nicht kenne, Erinnerungen, die aus der Ablage von ganz unten nach oben kommen, die das Salz in der Suppe sind und es ist die Begegnung mit einer Freundin, die wie ich auch nicht mehr hier lebt und gerade in der Stadt ist, die mit meinen Geschwistern nicht weniger verbunden war, da kommen Geschichten, das kann ich Euch flüstern und nein, ich erzähle sie nicht. Aber jeder, der einen Menschen nach ungefähr 35 Jahren wieder trifft, sich darauf auch noch unglaublich gefreut hat, der hat eine Menge zu erzählen und kaum nach zehn Minuten hatte ich das Gefühl, als hätten wir uns gestern erst aus den Augen verloren. Mir ging das so, da war eine jugendliche Vertrautheit plötzlich da, oder eine vertraute Jugendlichkeit, sucht Euch das passende Wort selbst heraus, vielleicht kennt ihr dieses Gefühl selbst auch, habt es schon erlebt. Dennoch, ich will das erklären, du hast schlagartig Bilder im Kopf, die ganz unten unter der Last und Freude der Zeit vergraben waren. Sie kommen in deine Erinnerung zurück mit Wucht, Farbe, aber auch das eine oder andere in schwarz-weiß. Wir haben die 35 Jahre geschafft zu überbrücken, sind gemeinsam in die Vergangenheit bis zu den Lords und den Gamaschen zurück und den Ängsten unserer Eltern, weil die Lockerheit der Jugend unser zweiter Vornamen gewesen war. Mehr schreibe ich darüber nicht, weil ich annehme, dass jeder von Euch so sein besonderes Erlebnis bei dieser Art der Begegnungen gehabt haben wird.

Es war so gut, danke Petra für diese wundervollen zwei Stunden gestern und ich ahne, dass wir das irgendwann, irgendwo wiederholen werden und dass es nicht wieder 35 abstinente Jahre werden. Das ist die emotionale Seite meiner Reise, die so unglaublich schön, aber auch ziemlich anstrengend ist, besser nicht sein kann und was ich auf keinen Fall missen und genau so haben möchte.

Ihr müsst das nicht wie ich machen, nein, es reicht, einfach mal einen alten Fotoalbum heraus zu kramen und sich darin zu vertiefen. Da erlebt ihr ganz sicher das eine oder andere High light, werdet Euch fragen wer dies oder das auf dem Bild ist und seid ganz happy, wenn ihr auf den Namen des oder der Abgelichteten kommt und dann die Geschichten dazu, genießt solche Erinnerung, samt einem guten Glas Wein, ein paar Oliven, etwas Weißbrot, das reicht und: Laßt es Euch gut gehen!

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