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Zimer 122, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Ich war ein paar Tage abgetaucht, habe mich gar nicht großartig aus meinem Blog vorübergehend verabschiedet, aber egal heute bin ich wieder da und habe zu erzählen, einiges, eher Witziges denn Trauriges und das bei aller Ernsthaftigkeit. Ich erzähle ein wenig davon und werde Euch mit Bildern vor dort ein wenig pisacken. Der Herbst hat schöne Farben. Das war der Blick aus dem fröhlichen Zimmer.

Ich gehe mehr oder weniger pünktlich ein Mal im Jahr zur Koloskopie, ihr wisst, dass das ist die Untersuchung bei der man zuvor eine Ewigkeit nichts essen darf, ekelhaftes Zeug Literweise trinken muss, um dann dem Untersucher einen ordentlich sauberen Einblick in das tiefste Innere des eigenen Körpers geben zu können. Ich habe irgendwann schon mal darüber geschrieben, dass es doof ist an Darmkrebs zu sterben, vor allem dann, wenn man weiß, dass eine familiäre Vorbelastung da ist. Das muss nicht sein, also gebe ich mir das. Das Leben ist herrlich und hat immer irgendwie seinen Reiz. Normalerweise ist das eine ambulante Untersuchung nach der man wieder nach Hause gehen kann, ich bleibe stationär, das hat seinen Grund und das ist gut so.  Sieht doch nett und einladend aus, oder?

Ich hatte letzte Woche davon erzählt, dass unsere Oma, noch vor mir, ins Krankenhaus gebracht werden musste und witziger weise, und auch das war gut so, bezog ich das Zimmer neben ihr. Mit mir lagen in dem Zimmer zwei Frau, beide ein wenig älter als ich selbst. Zuerst denkst du ups zu dritt, am Ende war diese Belegung der Hammer und nein ich erzähle nicht weshalb sie das Krankenhaus aufsuchen mussten, das gehört sich nicht. Aber bevor ich zum Zimmer 122, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, hier in Berlin komme, muss ich über das Krankenhaus selbst schreiben.

Das Haus behandelt seine Patienten mit anthroposophisch erweiterter Heilkunst. Eine Zweigstelle der Medizin in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Natürlich wird hier nach schulmedizinischen Regeln therapiert, was notwendigerweise zu therapieren ist, aber es gibt noch ein darüber hinaus, es gibt den Menschen und es gibt eben Havelhöhe mit seinem Therapieangebot, auf das man sich, bei längerer Verweildauer als ich sie hatte, durchaus einlassen sollte, einlassen kann. Jeder mag darüber denken was er mag, kann glauben an was er will, aber was spricht dagegen sich selbst, seiner Seele, seinem Geist und seinem Körper Gutes zu tun? Nichts. Vor allem gibt es die Möglichkeit dies durch Spaziergänge zu unterstützen und sich dabei auf einer der vielen Sitzbänken, die zum Verweilen einladen, anbieten zu relaxen, nichts zu tun, einfach die Sonne, den Wind, das Wetter zu genießen.

Wer geht schon gerne in ein Krankenhaus? Ich versuche das zu vermeiden und gehe nur wenn es nicht anders geht. Seit Dezember 2010 war dies mein dritter stationärer Aufenthalt, wenn auch aus jeweils verschiedenen Gründen und unterschiedlicher Verweildauer. Natürlich kann man immer ein Haar in der Suppe finden, wenn man lange genug sucht, aber in meiner Aufenthaltssuppe wird das dieses Mal nicht gelingen. Da gab es nichts an den Schwestern und dem Pfleger zu mäkeln, die ich natürlich von meinen vorausgegangenen Aufenthalten zum Teil gekannt habe, aber auch sie haben sich enorm weiterentwickelt in ihrem Wissen, in ihrer Kompetenz, in ihrer Ruhe, die sie alle ausgestrahlt haben. Das fand ich einfach unglaublich. Sie waren immer freundlich, blieben ruhig, auch dann, wenn in einem anderen Zimmer die Klingel gedrückt worden war. Natürlich kann es mal vorkommen, dass ein Anliegen, ein Bitte nicht gleich erfüllt wurde, aber vergessen wurde es nicht und das trotz des enormen Personalmangels, das die Station in den ersten zwei Tagen erlebt hat, nachdem ich aufgenommen worden war und die Wochenendbesetzung, bei voller Station, auch nicht üppig gewesen war. Man konnte schon das Chaos, das auf der Station geherrscht hat, auf dem Flur spüren, aber da blieb das auch, kam nicht das Zimmer herein.

Meine Schwiegermutter, ein Zimmer weiter, hat mir das Gefühl vermittelt, auch wenn sie sich nicht mehr verbal äußern kann, dass sie sich ausgesprochen wohl gefühlt hat. Immer wenn ich in ihr Zimmer kam, oder wenn ich sie in dem riesigen Pflegestuhl, in dem sie fast verschwand, zu uns, den drei fröhlichen Frauen aus 122, geholt habe, strahlte sie diese Zufriedenheit aus, die aus Geborgenheit und einem körperlichen Wohlgefühl entsteht.

Das ist keine Bank, aber hier führen Stufen hinunter auf denen ich, als ich Sommer 2011 dort gewesen war, oft gesessen habe, den „Wald“ und seine Musik genossen habe. Hier in der Sonne zu sitzen, schöner als jede noch so schöne Sitzbank. Aber zurück zur Gegenwart.

Nun habe ich also mein Teil Zimmer bezogen und nach mir kam die dritte Frau im Bund. Dann begann das Spiel: Abtasten. Das war schnell erledigt. Wir waren uns rundherum sympathisch. Nun bin ich der Meinung, dass ein Krankenhausaufenthalt nicht zwangsläufig Fröhlichkeit ausschließt und dass Lachen immer noch die beste Medizin ist. Das ist auch das Motto meiner beiden Mitstreiterinnen zu sein und es gab reichlich Situationen, die das hergaben. Nun stellt man sich drei gestandene Frauen vor, alle in einem Zimmer und sie finden den Lichtschalter nicht. Den Schalter, der das Nachtlicht an der Decke ausschaltet, aber weder sind wir auf die Idee gekommen die Nachtschwester zu fragen, noch diese uns zu fragen, ob wir das so wollen. Der Lacher gehörte uns, als wir uns in das Geheimnis des Lichtschalters – am nächsten Tag erst –  einweihen ließen, denn wir schliefen mit dem Licht alle wunderbar.

Das ging so weiter und unser Lachen drang bis ins erste und letzte Zimmer des Flures, war so anziehend, dass die Nachtschwester hereinguckte und dies gleich am Morgen um sechs Uhr erneut tat, als wir wieder wiehernd und lachend im Bett gelegen haben. Wären da nicht bei jeder diese besonderen Begleitumstände gewesen, wir hätten reines Urlaubsfeeling erlebt, wir waren Frauen, die sich gesucht und gefunden haben. Gut, zugegeben, ich würde lügen, wenn ich anderes schreiben würde: Untersuchungen sind nicht witzig, manche sind einfach und easy, andere können dem Menschen ordentlich zusetzen und manchmal frage ich mich, ob die Vorbereitung nicht wohlschmeckender, angenehmer sein kann. Eins haben alle Untersuchungen gemein: am Ende steht da ein Ergebnis, ob man das so haben will oder nicht, man wird es irgendwann annehmen müssen, wird, wenn es nicht widerlegt wird, damit leben müssen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man auch in einem Krankenhaus eine Menge Spaß haben kann. Aber es gab auch diese Momente der Fürsorge füreinander, wenn eine nicht konnte, dann sprangen die anderen beiden ein. Nicht wahr Mädels, das passte doch und trotz Krankenhaus, wir hatten eine tolle Zeit!

Ich bin also wieder da, kann Euch nur empfehlen rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen und wenn ihr ernsthaft krank seid, überlegt Euch und informiert Euch über das Krankenhaus, das ihr aufsuchen wollt. Es lohnt zu vergleichen.

Bei dem Wetter bleibt mir zu Guter Letzt nur noch zu sagen: Laßt es Euch gut gehen.  

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