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Zuhören und verstehen

Ich glaube ich Freitag vollkommen vergessen einen Beitrag zu schreiben. Nicht weiter tragisch, oder? Vorfreude auf ein wettermäßig tolles Wochenende und da gibt es noch einiges zu tun, da ich die Hälfte der nächsten Woche nicht da bin und aller Wahrscheinlichkeit nach der Klatschtag ausfallen wird. Nein, kein Urlaub, Pflichtprogramm, aber das bedarf mehr als nur einfach für sich selbst planen und gehen, da muss zuvor noch unsere Oma  in einer Kurzzeitpflege untergebracht werden. Mein Vertrauen hält sich da immer in Grenzen, egal ob das Kurzzeitpflege oder Krankenhaus ist, egal ob es sich um sie dreht oder um Freunde oder Verwandte.

Ich weiß, es ist immer so, dass man nur das hört, oder über das ausgiebig berichtet wird, das einen negativen Touch hat. Positives aus der Richtung fällt unter den Tisch. Bei allem wichtig ist, dass man sich selbst gut aufgehoben fühlt. Dennoch … So ist es einer Freundin passiert, dass sie eine relativ große OP zwei Mal über sich ergehen lassen musste, weil a. entweder eine unzuverlässige Technik angewandt worden war oder eine zuverlässige Technik schlecht angewandt, und b. weil man einfach auf die Patientin nicht gehört hat, weil die Ärzte nicht ihre fünf Sinne beisammen hatten als sie mit ihnen gesprochen hat. Das ist etwas, das man im Moment leider öfter hört, wobei wie ich eingangs sagte, es immer so ist, dass das Negative überwiegt, das Positive gerade auf diesem Gebiet irgendwo auf der Erzählstrecke bleibt.

Jeder hat so einen Fall im Familien- oder Freundeskreis. Ist so. Leider. Fernsehmagazine pflegen in diesen Fällen eine Informationspolitik, die ich nicht trage und die ich nicht gut heiße. Vielleicht wäre diese nicht notwendig, wenn Fehler eingestanden werden würden. Jeder unterschreibt vor einem Eingriff einen Wisch, der möglichst versucht alle Last auf den Patienten zu legen, er hätte zu dem Eingriff „Nein“ sagen können. Kann er meist nicht, weil dann der erhobene Finger des Arztes kommt: „Aber wenn Sie das nicht machen lassen, dann …“. Ausnahme: kosmetische Eingriffe.  Patienten wissen, dass nichts sicher ist, dass es zu Zwischenfällen kommen kann, dass es bei Untersuchungen zu Verletzungen kommen kann, dennoch vertraut er dem Untersucher, dem Chirurgen und das ist gut, weil er/sie ist ausgeliefert, wehrlos, hilflos ist, selbst dann, wenn Patient ein gestandenes Mannsbild ist oder eine Frau, der man die Butter nicht vom Brot nehmen kann.  Gegenseitiges Vertrauen, gegenseitige Offenheit, das Zugeben können einen Fehler gemacht zu haben, oder auch einfach nur auf den Patienten hören untermauert ein gutes Arzt/Patientenverhältnis.

Es ist nicht einfach zugeben zu können, dass man einen Fehler gemacht hat, dass man eine Situation falsch eingeschätzt hat, dass man bei der Bewertung daneben gelegen hat. Das kann passieren und ich finde das normal. Groß ist, wer Fehler zugeben kann, Hammergröße hat wer diese Fähigkeit im Laufe seines Lebens nie aus dem Auge verliert. Ich gebe zu, dass ich es auch schon versäumt habe einen Fehler zuzugeben. Trotzdem weiß ich, dass ich es in entscheidenden Situationen kann.

Ich weiß nicht, ob die gegenwärtige Situation an Krankenhäuser damit zusammen hängt, dass mehr Verwaltungskram zu machen ist, als Betreuungszeit für Patienten zur Verfügung steht. Ich erlebe im Moment den kleinen Rahmen, was es bedeutet etwas haben zu wollen, was außerhalb des Normalen ist: Unsere pflegebedürftige Oma muss für eine Woche in eine Kurzzeitpflege. Das bringt zusätzlich viel Arbeit für alle, für ihre Ärztin, für mich, für alle Beteiligten, dass das schlichtweg ätzend ist. Hier ein Antrag, dort ein Antrag, ein Rezept, eine Verordnung und was nicht alles noch und da sie transportiert werden muss, weil es nur so geht, dann muss das selbst bezahlt werden. Geht ja gar nicht, dass eine Pflegeperson ihren Schützling in eine Kurzzeitpflege gibt. Wo kommen wir denn da hin? Natürlich ist es kein Krankentransport in eigentlichem Sinn, aber trotzdem finde ich das erbärmlich. Wer heute irgendetwas in unserem Land haben will, tun will, leisten will, der hat erst mal einen Wust an Papieren, die er zuvor abarbeiten muss und wenn er denkt er hat es nun, der irrt. Irgendein Papierchen, eine Unterschrift, ein Zettelchen fehlt garantiert und nur für den Fall dass nicht, seid Euch sicher, irgendwer findet eins.

Ich finde es schade, dass dieser Verwaltungskram immer mehr statt weniger wird. Selbst der Einzug elektronischer Arbeitsmethoden bringt hier keine Besserung. Im Gegenteil ich denke, da meinen viele, dass da doch noch etwas aufgepackt werden kann, noch ein Antrag mehr, ein Papierchen hier, eins da. Grausam. Zeitverschwendung, ich denke, dass die Hälfte des gesamten Papierkrams eingespart werden kann. Jeder kann sich selbst vorstellen, wo das was einspart, nicht nur an Zeit, sondern auch an Papier und Tinte. Auf der anderen Seite mag eventuell der eine oder andere Erfinder solch unattraktiver Papiere denken, dass man auf dem Weg zur Erfüllung aufgeben könnte,

Wenn Menschen, egal in welcher Beziehung sie zueinander stehen, keine Zeit haben einander zuzuhören, dann wird es immer mehr unliebsame Zwischenfälle, Mißverständnisse und Dissonanzen geben. Es werden sich Fehler einschleichen, die man hätte vermeiden können. Aufmerksam zuhören, ohne daran zu denken was noch alles erledigt werden muss, ist sicher nicht das Non plus Ultra zur Fehlervermeidung, aber der erste Schritt in die richtige Richtung.

Nehmt Euch Zeit einander zuzuhören und nicht nur das, sondern auch einander zu verstehen. Redet miteinander dann klappt der Rest auch. Es hat und da können wir mit dem Wetter reden wie wir wollen heute der Herbst Einzug gehalten. Es ist trüb, es nieselt, aber es ist nicht kalt. Die Blätter wechseln ihre Farbe von gelb zu braun und fallen ab, auch ohne den berühmten Windhauch, einfach so, weil es an der Zeit ist für sie zu fallen. Ja, es wird Herbst und dann Winter und dann wird Weihnachten sein und in dem Moment, wenn die Silvesterraketen in den Himmel rauschen, ist der Winter bald geschafft. Das geht in diesem Jahr ohne Winterdepression, etwas, das viele Menschen leider leben müssen. Ich nicht. Ich sehe das als eine Regenerationszeit, auch wenn ich nicht grade fröhlich pfeifend durch die Gegend laufe, wenn mich eisiger Wind umzublasen droht. Aber das geht, das passt. Egal wie der Winter werden wird, genießt den Herbst, er kann immer noch schöne Tage haben und: Laßt es Euch gut gehen.

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