Archiv
Kategorien

Politik, Sex and Crime

Irgendwie läuft da gerade etwas aus dem Ruder von dem ich annahm, zugegeben mit rosaroter Brille, dass es das nicht mehr gibt, wider besseren Wissens. Nein, ich zeige nicht mit dem Finger auf den oder den oder den anderen dahinten in der letzten Reihe. Nein, nicht der links, der rechts auch nicht, sondern der, der in der Mitte steht. Nicht politisch, bildlich. Worum geht es? Es geht um den Bericht über Brüderle im Stern. Der gute Mann, der landauf, landab respektiert wurde, landet sich einen verbalen Fehlgriff. Nun erwarten alle eine Entschuldigung, aber das ist nicht mein Thema.

Vor vielen Jahren, da war ich auch mal im Business unterwegs, stets gestylt, steht ordentlich gekleidet, fraulich gekleidet. Dann traf ich auf einen Mann von der Wirtschaftsförderung, der mir den Rat gab zur Pinguin-Kleidung zu greifen, wenn ich wollte, dass mir männliche Gesprächspartner zuhören würden, vor allem dann, wenn ich mich gegen männliche Mitbewerber durchsetzen wollte. Ich weiß noch, dass ich ihn ziemlich entgeistert angeschaut hatte, war ich eine verheiratete Frau mit drei Kindern. Hallo? Geht das noch? Er meinte nur, die, die da sitzen würden jede Frau, die etwas bunter aussieht in Gedanken ausziehen und dann nicht mehr ihren Worten folgen. Klar ich hielt mich bei wichtigen Gesprächen daran und ging in dunklen Kostümen, eben mit klassischer weißer Bluse und auch bei 35°C im Schatten mit dezenten Strumpfhosen. Komplettanzug halt.

Inzwischen dachte ich, dass alles ein wenig legèrer geworden ist. Es gibt zum Beispiel im englischen Sprachgebrauch den Casual Friday, das ist der Tag an dem die Mitarbeiter eines Unternehmens in lockerer Freizeitkleidung zur Arbeit kommen (können). Ich ging davor aus, dass dieses „Ausziehen“ weiblicher Gesprächspartner längst schon passé ist. Wobei natürlich auch Frauen Männer in Gedanken ausziehen. So ist das nicht, nur zeigen wir das a. nicht, haben uns besser im Griff und b. ziehen wir manche Typen ganz schnell wieder an, oder fangen damit gar nicht erst an, weil es sich nicht lohnen würde. Brüderle gehört für mich in letztere Kategorie oder Kubicki, der könnte stundenlang an die Tür des Hotelzimmers klopfen, oder … mir würde nie im Traum einfallen die beiden Herrn in irgendwelche sexuelle Gedankenspiele einzubauen. Da gibt es deutlich coolere Typen. Vielleicht sind sie sich ihres untergehenden sexuellen Sterns bewusst und agiert deswegen so wie sie das tut. Nachts an der Hotelbar. Alkohol enthemmt. Brüderle soll immer enthemmt sein.

Blöd ist natürlich, dass Frauen meist in einer beschissenen Situation sind: Meistens sind sie von ihrem männlichen Gegenüber abhängig, egal in welcher Art und Weise. Niemand, nirgendwo, egal welcher Rasse, welcher Religion, in welchem Land, unter welcher Regierung, ob unter Bibel, Koran oder sonstigen Glaubensbekenntnissen hat das Recht andere Menschen, egal ob Frau oder Mann in irgendeiner Art und Weise zu belästigen, egal um was es geht. Es geht gar nicht, dass sich ein Mensch prostituieren muss um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Ich weiß nicht, ob sich etwas daran ändern wird, wenn eine Frauenquote durch- und umgesetzt wird. Ich weiß auch nicht, ob sich Angela Merkel jemals darüber geärgert hat, dass sie über den Ausschnitt ihres Kleides in Bayreuth, ihre Frisur und nicht über ihre Leistung definiert worden ist. In der Regel von Männern. Dies gilt auch für Claudia Roth deren Auftritte immer ein wenig schrill aussehen. Ein wenig nur. Oder oder oder, da kann man reihenweise Frauen nennen, die eine lange Weile benötigt haben, damit ihre Leistungen und nicht ihr Aussehen bewertet wurden. Eigenartig mir fallen dem gegenüber nur wenige Männer bei denen das so ist. Einzig vielleicht Wowereit und Westerwelle, die sich als schwul geoutet hatten, dass für eine kurze Zeit nach ihrem Outing das im Vordergrund gestanden hat.

Die Medien, die das jetzt über Brüderle angestoßen haben, sollten sich zuerst an die Nase fassen, sich selbst überlegen wie sehr sie diese Frauenbilder, das Umgehen damit beeinflusst haben. Nein, ich habe nichts gegen „die Medien“, aber ich finde es einfach falsch zum Beispiel über den Ausschnitt der Kanzlerin zu schreiben, um dann als Beispiel jetzt nur, den Mann an ihrer Seite für seine beruflichen Verdienste hoch zu loben. Das geht gar nicht und in Zukunft erst recht nicht. Möglich, dass das jetzt die Gelegenheit ist, um, was diese Art der Berichterstattung angeht, einen turn around zu wagen. Das, was geschrieben werden wird, muss schlichtweg der Wegbereiter für ein allgemeines gesellschaftliches Umdenken sein. Egal was auch immer sein wird, eins ist sicher: Männer ohne Frauen geht nicht und Frauen ohne Männer geht auch nicht, warum also nicht gemeinsam?

Dieses Thema ist eine never ending story, das wird uns von Zeit zu Zeit immer wieder beschäftigen, sei es, dass Männer und Frauen für gleiche Arbeit unterschiedlichen Lohn bekommen, sei es, dass immer noch viel zu wenig Frauen in Chefetagen zu finden sind, sei es, dass … da gibt es noch reichlich Material und es wird immer wieder neues auftauchen. Wie komme ich nun zu meinem Schluß? Ganz einfach, seid nett untereinander und: Laßt es Euch gut gehen.

 

Kommentieren