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Artikel-Schlagworte: „Felix-Burda-Stiftung“

März -Monat der Darmkrebsvorsorge

Es ist März. Der Frühling wartet darauf, sich auszubreiten. Durch die ersten warmen Tage treiben die Bäume das erste zarte Grün aus. Das ist die Zeit in der die Kleiderschränke ausgeräumt, alte Klamotten aussortiert werden, die Wohnung auf Hochglanz gebracht werden. Frühjahrsputz eben.

Aber da wäre im März noch ein anderes Thema: Es ist der Monat gegen Darmkrebs und es ist mir wichtig, daran zu erinnern, dass Vorsorge besser ist, als eine ewig lange Krebstherapie, deren Ausgang man zu Beginn der Behandlung nicht kennt. Ich bei FB schon eine ganze Weile in der Gruppe „Darmkrebs geht uns alle an“. Ich selbst bin durch die Vorsorgeuntersuchungen definitiv daran vorbeigeschrammt an Darmkrebs zu erkranken. Meine Schwester wurde, weil sie es nicht in Anspruch genommen hat sein Opfer.

Mein Vater war an Darmkrebs erkrankt, ein Teil meiner Großeltern ebenfalls. Der Arzt, der damals meinen Vater betreut hat, riet uns eine Koloskopie durchführen zu lassen. Meine Schwester war grundsätzlich dagegen, ich habe es nach ihrem Tod sofort in Anspruch genommen und hatte Glück, gerade eben noch rechtzeitig wurden die Adenome entdeckt und entfernt. Natürlich weiß niemand, ob sie nicht einen Autounfall gehabt hätte, aber hätte sie die Vorsorge genutzt, dann wäre sie definitiv nicht an den Folgen des Kolokarzinoms verstorben. Nach Diagnose hatte sie kaum mehr Zeit, ihre Angelegenheiten zu regeln, so schnell war es vorbei.

Ich lese in dieser FB-Gruppe mit. Das dort sind unglaublich starke Menschen, die kämpfen, die nicht aufgeben. Sie haben Nebenwirkungen durch die Therapie, die manchmal kaum zu ertragen ist. Sie kämpfen gegen einen Gegner, den man nicht sehen kann, der sich nicht um ihr Alter schert, der ihren Körpern alles abverlangt, bis lange nach der Therapie. Das ist nicht schön und vor allem ist es vermeidbar, wenn man rechtzeitig zur Vorsorge geht, auch wenn man jung ist. Es gibt immer Möglichkeiten, die, durch den G-BA vorgegebene Altersgrenze von 55 Jahren, zu umgehen. Diese Altersgrenze ist für mich ohnehin eine nicht zulässige Selektion, zumal ich das Gefühl habe, dass an Darmkrebs erkrankte Menschen immer jünger sind. Vom G-BA geduldeter Mord auf Raten. Diese Altersgrenze ist komplett aufzulösen, das geht gar nicht. Natürlich kann, bei vorliegendem Verdacht jederzeit eine Koloskopie durchgeführt werden, aber wie viele Leben können gerettet werden, wenn es keine Altersbegrenzung mehr gibt. Ich kenne niemanden, der bei einer Koloskopie „Hier!“ schreit. Vielleicht beim ersten Mal noch, aber beim zweiten Mal … na ja.

Okay, die Koloskopie selbst muss man nicht erleben, die kann man „abschlafen“, das ist nicht das Problem. Leider muss man durch das Procedere der Darmreinigung durch. Ich gebe zu, ich hasse es und es bereitet mir große Schwierigkeiten, nicht nur währenddessen, sondern auch noch 1-2 Tage danach. Aber was sind schon rund 8 Tage gegen eine Therapie mit Krebsmedikamenten, mit den Unwägbarkeiten, den Ängsten um das eigene Leben?

Ich lese nicht unbedingt jeden Tag in dieser Gruppe, aber es gibt dort Schicksale, die rühren mich. Eine Frau, die seit Monaten kaum mal ein paar Wochen ohne OP leben kann, die unglaublich stark ist und trotzdem immer noch kämpft. Leben können, welch eine große Bedeutung diese zwei Worten bekommen. Wie sich ihr Sinn verändern kann, wenn man betroffen ist. Selbst, wenn der Tumor selbst, wenn die Metastasen besiegt sind, ist es noch lange nicht vorbei. Es ist niemals vorbei, weil sich die Angst nicht mit den Jeans und dem Shirt ausziehen und weglegen lässt. Die Angst ist in den Menschen tief verwurzelt. Jedes Mal, wenn Blut genommen wird, wenn Nachsorge betrieben wird, wenn Untersuchungen anstehen, wächst die Angst und droht das Herz zu sprengen, droht diese Menschen zu ersticken. Manchmal ist es auch für Hartgesottene fast unerträglich dabei zu bleiben, aber trotzdem bleibe ich, hilflos, fast ohnmächtig, werde im nächsten März einmal mehr darüber schreiben.

Diese Gruppe bei FB ist eine Gemeinschaft, die so zusammengeschweißt ist, dass sie nichts zerstören kann: Einer für alle, alle für einen. Ich denke das trifft eine Beschreibung dieser Gruppe am besten. Trotzdem meine ich, dass viele der Betroffenen diesen Weg nicht hätten gehen müssen, wenn sie die Aufklärungskampagne der Felix-Burda-Stiftung erreicht hätte, wenn es keine „Alters“-Begrenzungen der Koloskopien im Sinne der Vorsorge gäbe und hier grundsätzlich auf Freiwilligkeit in allen Alterstufen gesetzt werden würde. Eine Therapie ist, rein wirtschaftlich betrachtet, um ein Vielfaches teurer als eine Vorsorgeuntersuchung, weshalb ich diese Begrenzung in meinem ganzen Leben nicht verstehen werde.

Ich kann nur jeden dazu auffordern sich um seinen Darm zu kümmern, immerhin hat er tagtäglich eine Menge zu tun. Er ist immer für Euch da und das rund um die Uhr. Seid ihr auch für ihn da, noch bevor er, der Tumor, da ist. Im Übrigen gilt das für alle Arten der Ernährung, die spielt natürlich eine Rolle, ist aber nur ein Faktor von vielen. Ich habe übrigens an meinem Kühlschrank ein Magnet heften, ich kann von Kühlschrankmagneten nicht genug haben, auf dem steht: Live is beautiful. Leben ist schön und das gilt es zu erhalten und dafür sind Vorsorgeuntersuchungen nun mal da.

Niemand ist für einen Tumor wirklich verantwortlich zu machen, es gibt viele Faktoren weshalb einer entsteht, aber jeder kann eigenverantwortlich rechtzeitig für dessen Erkennung sorgen. Geht zur Darmspiegelung, schmeißt aus Eurem Körper raus, was da nicht hingehört. Gebt dem Krebs von vorneherein keine Chance!

In diesem Sinn: Laßt es Euch gut gehen!