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Wahlkampffinale

Das hätten wir dann geschafft! Es ist Freitag, wir haben die Wahlkampagne fast überstanden. Gestern Abend habe ich, nachdem ich von einer tollen Lesung nach Hause gekommen bin, noch das Ende von Maybritt Illner gesehen. Journalisten aus dem Bereich „Politik“ kamen zu Wort und diese junge Frau, die zur Zeit als „Nichtwählerin“ durch die Talkshows tingelt. Ich weiß irgendwie nicht in welchem Film diese junge Frau lebt.

Zuerst fand ich die Diskussion sehr angenehm, die diese anwesenden Journalisten abgeliefert haben. Vielleicht sollten sie in Zukunft den Wahlkampf betreiben, wobei wir uns natürlich darüber im Klaren sein müssen, dass die Presse einen immens großen Einfluss auf alles hat. Der jungen Frau zum Beispiel ging es um die Zukunft ihrer Generation. Gut gebrüllt Löwe, wir wussten das damals auch nicht und die Möglichkeiten uns zu informieren waren deutlich geringer als das heute ist. Ein Versprechen, dass ihre Generation irgendwann einmal, nach erfülltem Leben in ihrem Traumberuf, den Lebensabend finanziell abgesichert bei Seniorentreffen und im Schaukelstuhl verbringt, kann ihr niemand geben. Sicherheit gibt es heute nicht mehr. Früher hieß es, gehe zur Bank oder Sparkasse, zur BASF, Siemens oder Mercedes und du bist zur Rente sicher. Das gibt es nicht mehr. Diese Garantie kann keine Partei geben. Das hat ihr auch einer der anwesenden Journalisten dann auch mal ganz deutlich gesagt, dass sie nicht so jämmerlich sein soll, ein rundum Paket, bei dem jeder Punkt gefällt, wird sie nicht finden und was morgen ist,  das weiß ohnehin niemand. Ich bin der Meinung dass nicht zu wählen der schlechteste und feigste aller Wege ist. Sich so aus der Verantwortung zu ziehen finde ich nicht gut, dafür haben unsere Vorfahren nicht ihr Leben gelassen und freies, geheimes Wahlrecht zu bekommen.

Anschließend talkte auch Lanz u.a. zur bevorstehenden Wahl. Hier wiederum ging es etwas aufgeregter zu als bei obiger Sendung. Wer mir sehr gut gefallen hat war Michel Friedmann. Er ist, wenn ich das richtig in Erinnerung habe Mitglied der FDP, hat aber viele harsche Worte der Kritik über die Partei gesprochen. Es hat mir sehr imponiert, dass er sagt, auch wenn er Mitglied ist, darf er kritisieren, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Da ist etwas Wahres dran, das genau zu dem passt, dass man nicht mit allen Punkten des Wahlprogramms einer Partei einverstanden sein muss. Wichtig ist, dass die Kernaussagen stimmen, am Ende wird ohnehin nur wenig bis nichts umgesetzt oder anders als geplant.

Diejenigen, die noch nicht wissen was sie wählen wollen, sollten sich vorstellen was am Ende, nach der Wahl herauskommen könnte: Koalition deren Färbung sich jeder selbst ausmalen muss. Große und kleine Koalitionen, Parteien, die in der Versenkung verschwinden könnten wie die Piraten, die scheinen samt ihrem Schiff schon abgesoffen, was nicht verwunderlich ist, denn die Menschen da draußen wollen viel, aber keinesfalls ein Schiff, das von  einem derart chaotischen Haufen gelenkt wird. Wir haben das alle erlebt und standen dieser internen Hackerei, diesem Getwittere, diesen Sandkastenspielchen kopfschüttelnd gegenüber, es war einfach nur nervig. Sollen sie in ihren Sandkasten zurückgehen und weiterspielen, aber bitte nicht in den Bundestag einziehen. Sie hatten für eine kurze Zeit einen gewissen Unterhaltungswert, das wäre es dann aber auch gewesen, sie kamen gestern bei der Umfrage auf 3%. Die FDP, die Partei des Mittelstandes, alle sind sich einig es ist im Moment eine „hohle Blase“ ohne Führungspersönlichkeit, ohne festen Kern, hatten gestern um 5,5 %. AfD da fehlt noch eine Menge zu einem echten Parteiprogram und den Ausstieg oder Ausschluss einer Partei zu fordern, was im Übrigen gar nicht im Alleingang Deutschlands gehen wird und gehen kann, ist es auch nicht, sie hatten gestern 4 %. Der Rest der kleineren Parteien wird die 5%-Hürde kaum schaffen. Die Grünen sind abermals 2%-Punkte abgerutscht und ich habe das war nicht die letzte Watsche, die sie bekommen haben. Das haben sie sich alleine zuzuschreiben. Wer einem Bürger nahebringen möchte, dass in Zeiten hoher Steuereinnahmen Steuererhöhungen sinnvoll sind und 90% der Bürger so entlastet werden soll, der hat seine Hausaufgaben schlichtweg nicht gemacht. Es hat sich der linke Flügel der SPD bereits laut gemeldet: Im Falle einer großen Koalition, möchten sie, dass die Anhebung des Spitzensteuersatzes als Bedingung einer Koalition mit der CDU gefordert werden soll. Was soll das eigentlich? Die Grünen werden u.a. deswegen eher nicht gewählt und dann glauben diese Leute, dass sie es trotzdem wollen, stampfen trotzig mit dem Fuß auf und  spitzen heute schon den Stift, weil sie davon ausgehen, dass es tatsächlich zu einer großen Koalition kommen wird und sie dann auch noch Bedingungen stellen können.

Hmmm…. Etwas, das vollkommen illusorisch ist, was wäre, wenn eine Partei wie in Bayern die absolute Mehrheit bekommen würde? Gehen wir das mal durch: wer könnte? Die kleinen Parteien niemals, die SPD ist im Moment bei ungefähr 25-27 % und müsste mehr als 22 % nur über den Daumen gepeilt, zulegen was wohl eher nicht der Fall sein wird und die CDU, schippert bei rund 40% und bräuchte rund 6-8% Zuschlag. Beides eine Illusion, keine Frage, aber ein wenig rumspinnen darf man doch, oder. Oder vielleicht macht die FDP ein Raketenergebnis und holt das bisschen von ca. 42% und fliegt zu absoluten Mehrheit. Wohl eher nicht, eher fliegt sie raus. Ach wisst ihr was, es ist heute alles wurschtschittegal, es sind nur noch etwas über zwei Tage und wir werden das Ergebnis der Wahl erfahren und sprechen uns dann am Montag wieder. Bis dahin seid tapfer und geht wählen, macht Euer Kreuz dort, wo ihr denkt, dass es richtig ist. Laßt es Euch gut gehen!

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