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März – Monat gegen Darmkrebs

Das ist so eine Sache über die man nicht spricht und wenn, dann nicht sehr gerne. Und überhaupt schon gar nicht. Ganz anders ist das, wenn man sich mal die Hand gebrochen hat, oder den Fuß das Bein eine Blinddarm-OP hatte. All das ist, wenn auch langweilig so doch salonfähig. Im Ernst, wenn man sich früher über schnelle Autos unterhalten hat, dann tut man dies mit zunehmendem Alter gerne über Krankheiten und wenn das der Fall ist, dann denk ich immer oh je nun ist das soweit. Nun gehörst du zum alten Eisen. Aber es gibt etwas über das man nicht sehr gerne spricht: Vorsorgeuntersuchungen.

Frauen sollten das im Grunde gewöhnt sein ein Mal pro Jahr gehen sie in jungen Jahren zur Vorsorge, was aber auch damit zusammen hängt, dass sie bis zum geeigneten Zeitpunkt der Familienplanung für die Verhütung sorgen müssen oder wollen. Männer gehen eher selten zur Vorsorge, das ist aber auch ein schwieriges Thema da es keine reinen „Männerärzte“ gibt, was auch wiederum Probleme bereiten könnte, wenn dieser Männerarzt eine Frau ist. Man liest gelegentlich, wenn auch selten mal darüber einen Bericht. Ich weiß es gibt natürlich Ärzte, die den Vorsorgebereich der Männer abdecken. Aber vielleicht sollte man Männer an der Stelle emanzipieren und ihnen einen Arzt zur Seite stellen, der die Bezeichnung Männerarzt tragen kann. Ob dann mehr Männer zur Vorsorge gehen werden? Keine Ahnung. Vielleicht wenn gleichzeitig in der Praxis eine nette Blondine arbeitet, nein das ist ein Scherz.

Zurück zu den Kneipengesprächen. Man talkt dann zwischen Vor- und Hauptspeise über die alle, den Blinddarm, die OP an der Hand, vielleicht auch noch über das Magengeschwür, aber wer spricht schon gerne über eine Darmspiegelung. Ja das ist es, das Vorsorgethema, das mir sehr wichtig ist. Es ist mir sehr wichtig, weil meine Familie davon betroffen war, mein Vater überlebte die Krankheit, meine Schwester nicht und es war kein Hit sie daran sterben zu sehen. Drei Monate hatte sie von der Diagnose bis zu ihrem Tod Zeit, mehr war ihr nicht geblieben. Wer nun denkt na ja kann ja nicht schlimm gewesen sein, der irrt. Es war grausam, nicht nur für sie, auch für ihre Familie, für meine Ma, für meine Familie und für mich. Hätte sie …

Ich bin kein Mensch, der hinterher sagt, wenn sie mal zur Vorsorge gegangen wäre, dann könnte sie noch leben. Wir wissen das nicht, niemand weiß das. Deswegen denke ich hilft das im Nachhinein nie zu lamentieren, darüber nachzudenken was wäre gewesen wenn. Warum auch? Wenn man die Wahl zwischen zwei Wegen hat, den Weg A und den Weg B und entscheidet sich für einen der beiden, dann wird man nie erfahren wie der andere Weg gewesen wäre, weil man die gleiche Zeit nicht zwei Mal leben kann. Diese Wegentscheidungen treffen wir tagtäglich immer und immer wieder. Wenn nun aber auf dem gewählten Weg eine Vorsorgeuntersuchung liegt, zum Beispiel eine Darmspiegelung, dann ist das in Ordnung und passt. Ohne Wenn und Aber. Nun findet Mensch allein den Gedanken das zu tun schon abartig. Muss er aber nicht, er kann sich für eine Dröhnung entscheiden, kann die Untersuchung einfach abschlafen und gut ist. Allerdings und das möchte ich nicht verheimlichen, steht vor der Untersuchung die Darmreinigung. Das ist nicht jedermanns Sache. Echt nicht. Meine ist das nicht, wird das nie werden. Ich finde das grausam, das schmeckt furchtbar. Es gibt Menschen, die sagen dann, das ist nicht so tragisch, das schmeckt doch nach weiß ich Orange. Mit Salz. Wer um Himmels Willen kippt sich in den O-Saft Salz? Ich nicht. Im Ernst, ich mag das nicht, kann mich wohl nie daran gewöhnen und mir wird elendlich übel darauf. Aber ich bin da ein sehr empfindliches Pflänzchen, das möchte ich auch nicht verschweigen. Da ich sehr gerne gut esse ist mir diese Abführbrühe ein Gräuel und das ist mit nichts so zu „verfeinern“, dass ich den Salzgeschmack tolerieren kann. Aber was ist dieser Geschmack gegen das Leben? Wen man leben möchte, dann kann man das ertragen, zugegeben mit Unterstützung von allen möglichen Medikamenten gegen Übelkeit. Normalerweise, wenn der Doc nix findet, dann erfolgt die nächste Vorsorge in einem Zeitraum zwischen 3 und 5 Jahren. Dass man das wiederholen muss liegt daran, dass Krebs irgendwann mal einfach anfangen kann zu wachsen und obendrein ist es sehr schwer in dem Darmgewühl immer alles zu entdecken. Nebenbei bemerkt, um jene zu trösten, die sich mit dem Gedanken tragen sich darum zu kümmern: Ich muss jedes Jahr zur Spiegelung gehen. Das bewahrt mich davor zumindest Darmkrebs zu bekommen und rettet an der Stelle mein Leben. Ich finde das in Ordnung und dafür quäle ich mich auch ab, das Zeug zu trinken. Ich finde auch, dass jeder Arzt sich das mal gegeben haben muss, dass blöde Sprüche wie „so schlimm ist das doch nicht“, gar nicht erst über den Probanden ergossen werden. Kein Arzt auf der Welt hat das Recht etwas klein zu reden, oder die Patienten für wehleidig zu  erklären, weil kein Arzt ermessen kann wie der Einzelne sich bei welcher Untersuchung und Vorbereitung dazu fühlt. Jeder Mensch empfindet eine Situation anders als ein anderer. Das ist gut so, das muss so sein.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Einzelheiten einer Darmspiegelung zwischen Vorspeise und Hauptgang besprechen möchte, aber da zur Zeit der März ist, der Monat der Darmkrebsvorsorge ist mein Blog der richtige Platz um darüber zu plaudern und Euch daran zu erinnern, dass das ein sehr ernstes Thema ist, egal ob man jung oder alt ist. Diese verfluchte Krankheit kommt langsam, schleichend und vor allem unbemerkt. Entscheidet Euch dafür, eine Darmspiegelung kann Euer Leben retten. Dennoch und trotzdem: Laßt es Euch gut gehen.

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